Ausstellung Rathaus Bürstadt 2010 Düstere Seite der Seele in Szene gesetzt Bürstadt. Das Phantastische, Morbide und Melancholische ist  derzeit in. Bildmotive von Schattenwesen wie Dämonen,  Vampiren und wiederkehrenden Toten oder aber von trauernden Mädchen, düsteren Gemäuern und Friedhöfen finden sich  nicht nur auf Postern, Kunstdrucken, CD-Cover oder Titelseiten  von Groschenromanen. Mittlerweile zieren alle Arten von  Alltagsgegenständen wie Textilien, Essgeschirr, Schreibwaren,  ja sogar Spielkarten und Puzzlespiele diese Motive. Die beiden Künstler Bettina Rothenheber und Lars Gölz treffen  mit ihrer Ausstellung "Lost Tales", die sich mit der düsteren  Seite der menschlichen Seele befasst, genau diesen Zeitgeist.  Derzeit ist die Ausstellung noch in der Schauraum-Fabrik  in Worms zu sehen. Ab dem 8. April werden die beiden Künstler  ihre Werke im Rathaus der Stadt Bürstadt präsentieren. Der Titel "Lost Tales" (im Deutschen so viel wie "verschollene  Erzählungen") steht dabei für alles, was Menschen aus ihrer  düsteren, inneren Welt zu erzählen haben. Dargestellt sind Handlungen von Menschen und Situationen, in denen  sie sich befinden, Personifizierungen von Ängsten und Sehnsüchten, aber auch Ansichten von Bauwerken, die  beim Betrachter entsprechende Assoziationen hervorrufen. Ergänzt werden die Bilder durch Aphorismen berühmter Dichter und Denker. Ebenfalls werden die Porträts  einiger Dichter gezeigt, die das heutige Bild der Schattenwesen und -welten entscheidend mitgeprägt haben. Schwarze Romantik Damit wollen die beiden Künstler bewusst an die  Ursprünge dieser Strömung anknüpfen, die bereits meh-  rere Generationen zurückliegt. So wurde das Bild vieler  Schreckensgestalten, die heute über Kinoleinwände und  PC-Bildschirme flimmern und allerhand Gegenstände des  Alltagsgebrauchs schmücken, stark von der Literatur des  19. Jahrhunderts geprägt. Eine wesentliche Rolle spielt  dabei eine literarische Unterströmung der Romantik, die  sogenannte "Schwarze Romantik", die gegen Ende des  18. Jahrhunderts aufkam und die sich mit dem "Morbiden"  und "Bösen" befasste. Zwei mittlerweile weltbekannte  Schreckensgestalten erleben zu dieser Zeit ihre  Geburtsstunde und bekommen das Bild, das wir heute von  ihnen haben. So betreten diese Gestalten durch den Wettbewerb im  Schreiben von Gespenstergeschichten, zu dem der eng-  lische Dichter Lord Byron im Jahr 1816 im kleinen Kreise  seiner Freunde eingeladen hatte, die literarische Bühne.  Das Jahr 1816 ist als das "Jahr ohne Sommer" in die  Geschichte eingegangen, da es von unzähligen Unwettern  heimgesucht wurde. In einer von dem Dichter ange-  mieteten Villa am Genfer See las sich die Gesellschaft  zunächst gegenseitig Gespenstergeschichten vor, bevor  man selbst mit dem Schreiben anfing. Mary Shelley legte hier den Grundstein für ihren Roman  um den jungen Viktor Frankenstein, der einen künst-  lichen Menschen erschafft. Lord Byrons Leibarzt, John  Polidori, verfasste im Rahmen dieses Wettstreits die  Erzählung "Der Vampir", welche als die erste Vampir-  Erzählung der Weltliteratur gilt. Fast hundert Jahre später  schrieb Bram Stoker seinen weltberühmten Roman  "Dracula". Porträts von Shelley, Byron und Stoker sind zum Andenken an diese Ursprünge in der Ausstellung zu sehen. Ebenso  ist Matthew Gregory Lewis vertreten, der mit seinem  Roman "The Monk" unter anderem E.T.A. Hoffmann zu  seinen "Elixieren des Teufels" inspirierte. Frank Hernert, Bettina Rothenheber, Lars Gölz vlnr.: Frank Herbert, Bettina Rothenheber, Lars Gölz Unser Webshop